Olivia Berckemeyer
Heroische Gesten, germanische Mythen, Gothic Trash: Man muss weder zur militärisch-maskulinen noch zur schwul-glamourösen Künstlerfraktion- Jonathan Meese und Andreas Hofer oder Terence Koh und Co.- gehören, um Reiterstandbilder, Heldenbüsten und Totenschädel zu bauen. Die in Berlin lebende Bildhauerin Olivia Berckemeyer passt in keine dieser Schubladen und begießt doch Miniaturdenkmäler so dicht mit Wachs, dass nicht nur Kerzenflaschenhippies dahinschmelzen dürften. Aus triumphierenden Kriegern und stolzen Häuptern generiert sie kohlschwarz, leichenblass und blutrot zerfließende Wesen. Das sieht aus, als hätte sich jemand einen Scherz erlaubt und nachts die Glasstürze im Deutschen Historischen Museum gelupft, um den stolz Posierenden eine Ladung Zuckerguss zu verpassen. Die Miniaturen für die Ewigkeit gedachter Monumente bekommen so einen morbiden Anstrich, der sie verführerisch und Furcht einflößend, dramatisch und tragikomisch zugleich wirken lässt. Was eben noch Siegesallegorie war, gerinnt zur traurigen Kitschfigur. Seit Kurzem bestückt Berckemeyer auch die Sockel ihrer Skulpturen mit spiegelnden Flächen, die Figuren sind nicht mehr losgelöst von ihrem Umsatz zu denken. Wenn auf dem dann ein Sensenmann mit dem ironischen Titel Guten morgen liebe Sorgen steht, wird klar, dass Olivia Berckemaeyer stets auf kühle Distanz zu ihren Siegertypen geht. Denn Wachs schmilzt nur bei geringer Erwärmung. Und Helden sind nach wie vor ein heißes Eisen. Gesine Borcherdt